Natürliche Businessportraits

Eine Frau mit umwerfender Ausstrahlung

Désirée kam eines Tages in mein Studio geschneit. Das war weit vor Covid19, als es für mich noch ein Studio gab. Irgendwann, inmitten eines Bildbearbeitungsmarathons, stand sie also in der Tür. Eine schöne Frau mit unglaublich positiver Ausstrahlung, etwa in meinem Alter. Sofort sprang der Funke zwischen uns über. Wir lernten uns kurz kennen und vereinbarten einen Besprechungstermin. Sie erzählte mir von ihren Plänen, ihren Möglichkeiten, von dem, was sie antreibt und dem, was sie kann. Ob ich ihr helfen könnte und Businessfotos mit ihr realisieren würde, die sie als Menschen wiedergeben.

Authentisch, aber bitte mit dem „gewissen Etwas“.

Wer Désirée trifft, weiss, was sie damit meint. Natürlich konnte ich. Wir machten erste Pläne. Sie sollte mich anrufen, wenn ihre eigene Webseite als Familiencoach spruchreif werden würde. Aus Erfahrung weiss ich, dass von der Planung zum fertigen Konzept eines Startups oft mehrere Monate vergehen können. Die Fotos, die dann auf eine neue Webseite kommen, sollten möglichst aktuell sein. Gerade wir Frauen müssen uns nicht zwingend neu erfinden, um von einer Woche auf die andere unser Erscheinungsbild um 180 Grad zu drehen. Monate gingen ins Land. Zwischenzeitlich telefonierten wir noch einige Male.

Dann kam der Lockdown.

Natürlich war auch ich davon schwer betroffen. Aus Überlebensinstinkt und weil ich die Existenz meines kleinen Familienunternehmens sichern wollte, habe ich mein Studio in der Schluechtstrasse gekündigt, um das Überleben unseres kleinen Familienbetriebes langfristig zu sichern. Fototermine waren nicht mehr möglich, Hochzeiten und Firmenevents sagten reihenweise ab. Natürlich waren damit auch die Businessfotos von Désirée auf Eis gelegt.

Nach dem Lockdown rief sie mich dann nochmals an. Wir legten einen Termin fest und ich freute mich, dass sie gerade in dieser Zeit den Mut hatte, definitiv ihren Sprung in die Selbstständigkeit zu wagen. Ihr Äusseres habe sich jedoch seit unserem Treffen extrem verändert, sagte sie. Desiree wurde mit Alopecia Areata diagnostiziert. Im Volksmund sagt man „Kreisrunder Haarausfall“ dazu. Ihre langen, schönen Haare waren also zu grossen Teilen ausgefallen und sie hätte nun eine Kurzhaarfrisur. Das sei eben immer noch besser als nur mit einem halben Kopf lange Haare zu tragen, meinte sie lachend. Diese Frau war einfach durch und durch positiv!

Die Krankheit selbst trifft wohl willkürlich den ein oder anderen. Selbst Kinder können davon betroffen sein. Nun war es Désirée. Ich stellte mich auf das Schlimmste ein und bat sie, mir ein Selfie von sich zu schicken. Dadurch konnte ich ein wenig abschätzen wo die Herausforderung liegen würde. Das Selfie fand ich trotz der „Typveränderung“ sehr ansprechend. Mir blickte selbstbewusst eine Frau entgegen, die wusste was sie wollte. Mit einem offenen, ungebrochenem Blick und einem breiten, echten Lachen. Nein … Schönheit macht sich zwar auch, aber definitiv nicht nur an Äusserlichkeiten fest. Ich bat Désirée, sich darauf einzulassen, die Fotos ohne Perücke, Mützen oder andere Hilfsmittel zur Abdeckung zu realisieren.

Dann kam endlich unser Fototermin.

Désirée wollte mit ihren Businessfotos möglichst greifbar, authentisch und natürlich ankommen. Aus diesem Grund vereinbarten wir, im Freien zu fotografieren und trafen uns im Park der Villa Villette. Das Wetter meinte es an diesem Tag besonders gut mit uns. Es regnete nicht und der Himmel war dennoch weitgehend bedeckt. Für Businessfotos im Freien ist das optimal. Wir suchten uns klare Hintergründe. Nicht zu viel Natur, aber auch nicht clean wie ein Studiohintergrund. Die Auswahl im Park der Villette ist gross und wir wählten drei verschiedene Locations. Verschiedene Varianten eines einzigen Outfits und drei verschiedene Standorte ermöglichten uns binnen kürzester Zeit eine vielfältige Auswahl an verschiedenen Motiven.

Nach einigen Fotos und zwei, drei Blicken auf mein Kameradisplay fand Désirée, das sei nun genug und verabschiedete sich. Sie hätte ein gutes Gefühl, sagte sie und es gäbe sicher schon genügend Auswahl. In der Praxis ist es eher die Regel, dass ich die Zeit für die Fotoaufahmen überziehe. Oft haben Kunden noch zusätzliche Wünsche oder möchten noch das ein oder andere ausprobieren, weil sie Spass am fotografiert-werden gefunden haben.

Dass eine Kundin von sich aus ihre Zeit verkürzt hatte ich bis dahin noch nie.

Als Fotografin machte ich mir also im erstem Moment selbstkritische Gedanken. Hatte ich etwas Falsches gesagt oder getan? Fühlt sich Desiree nicht wohl? Liegt es an mir? Fragend schaute ich sie an. Überzeugt, stark, klar und zufrieden war ihr Blick. Alles war gut.

Ich schickte Desiree den Link zu ihrer Onlinegalerie für die finale Bildauswahl direkt am nächsten Tag. Ihre Entscheidung für die Finalisten entsprach ziemlich genau meinen eigenen Favoriten. Liebevoll, nicht zu viel und nicht zu wenig Retusche … so wollte ich ihre finalen Fotos bearbeiten. So natürlich wie möglich und um Gottes Willen ohne dieser umwerfenden Frau auch nur einen Hauch ihres Zaubers zu nehmen. Die Retusche dauerte um ein vieles länger als ich kalkuliert hatte. Immer wieder verwarf ich eine Bearbeitung und fing von vorne an. Manchmal passiert mir das. Eine Fotografenkrankheit, die ich mit vielen Kollegen teile:

Am Ende soll alles perfekt sein.

Nicht für irgendwelche Wettbewerbe dieser Welt, nicht für andere Fotografen, nicht für die breite Masse und auch nicht für mich. Perfekt sein sollte es in diesem Fall allein für Désirée. Als ich endlich zufrieden mit dem Ergebnis war, sendete ich ihr die fertigen Fotodateien und war gespannt auf ihr Feedback. Wenig später bekam ich folgende Zeilen, welche ich mit ihrem Einverständnis gerne hier mit euch teile:

Witzgall Foto

Liebste Heike

Dein Mail kam gut bei mir an. Noch gerne denke ich mit großer Freude an unser kurzweiliges Shooting mit Dir und Tjark zurück. Ich habe mich sehr gut bei Dir aufgehoben gefühlt und meine Intuition hat mir seit unserer ersten Begegnung gesagt, DU bist die richtige Frau für mich. Die Bestätigung halte ich nun in meinen Händen. 🙂

Gerade eben überkam mich ein Gefühl wie zu Weihnachten. Bevor man die Geschenke öffnet und die Spannung in der Luft liegt. Was wird wohl im Päckerl sein?

Here we go…… Deine grandiose Arbeit. Deine lieb gemeinten Schmeicheleinheiten bezüglich der Zeitschrift hat ein Lächeln auf meine Lippen gezaubert. Wenn ich mich selbstkritisch betrachte und wir doch bei der Realität bleiben, bin ich froh, dass trotz dem Challenge mit meinem Haar, die Echtheit und Authentizität meiner Person in Deinen Aufnahmen eingefangen wurde.

In unserer Welt – Zeit geht es viel um´ s Aussehen. Andersartigkeit wird oft als Makel gesehen. Dabei ist es kein Makel! Aber wir Mütter sollten dankbar sein für das was wir in dieser Gesellschaft leisten und stolz auf die Wertschöpfung sein, wenn wir unsere Schaffenskraft bewerten. Und so trage auch ich meine Haare mit Stolz. Auch wenn es mit dem Älterwerden schmerzhafte Erfahrungen sind, durch die wir Frauen gehen.

Danke für die Platzierung des Wasserzeichens. Sieht wirklich cool aus.

Mit herzlichem Gruß
Désirée

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